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27.11.2007
Umstrittene Punkte des § 230 CDA, Teil 3 |
Die Mindermeinung
Eine weit überwiegende Mehrheit der Gerichte folgt der
weiten Auslegung, die im Fall Zeran vorgegeben wurde und
deren Umfang in den ersten beiden Beiträgen (1
& 2)
dargestellt wurde. (Green v. America
Online, 318 F.3d 465, 470-71 (3d
Cir. 2003); Batzel v. Smith, 333 F.3d 1018,
1031 n.18 (9th Cir. 2003); Carafano v. Metrosplash.com,
Inc., 339 F.3d 1119, 1122-25 (9th Cir. 2003); Ben
Ezra, Weinstein & Co. v. America Online, Inc., 206 F.3d
980, 984-85 (10th Cir. 2000); Blumenthal v. Drudge,
992 F. Supp. 44, 51-52 (D.D.C. 1998); Parker v. Google,
Inc., 422 F. Supp. 2d 492, 500-01 (E.D. Pa. 2006);
Dimeo v. Max, 433 F. Supp. 2d 523, 530-31 (E.D. Pa.
2006); Whitney Info. Network, Inc. v. Verio, Inc.,
No. 2:04CV462FTM29SPC, 2006 WL 66724, *2-3 (M.D. Fla. Jan.
11, 2006); Associated Bank-Corp. v. Earthlink, Inc.,
No. 05-C-0233-S, 2005 WL 2240952, **3-4 (W.D. Wis. Sept. 13,
2005); Morrison v. American Online, Inc., 153 F.
Supp. 2d 930, 932-34 (N.D. Ind. 2001); Barnes v. Yahoo!,
Inc., No. Civ. 05-926-AA, 2005 WL 3005602, **2-3 (D. Or.
Nov. 8, 2005); Landry-Bell v. Various, Inc., No.
Civ.A. 05-1526, 2005 WL 3640448, **1-3 (W.D. La. Dec. 27,
2005); Corbis Corp. v. Amazon.com, Inc., 351 F. Supp.
2d 1090, 1117-18 (W.D. Wash. 2004); MCW, Inc. v.
Badbusinessbureau.com, LLC, No. Civ.A.3:02-CV-2727-G,
2004 WL 833595, **7-8 (N.D. Tex. Apr. 19, 2004); Noah v.
AOL Time Warner, Inc., 261 F.Supp.2d 532, 537-38 (E.D.
Va. 2003); Smith v. Intercosmos Media Group, Inc.,
No. Civ.A. 02-1964, 2002 WL 31844907, **3-4 (E.D. La. Dec.
17, 2002); Patentwizard, Inc. v. Kinko’s, Inc., 163
F. Supp. 2d 1069, 1071 (D.S.D. 2001); Marczeski v. Law,
122 F. Supp. 2d 315, 327 (D. Conn. 2000); Donato v.
Moldow, 374 N.J. Super. 475, 487-500, 865 A.2d 711,
718-27 (N.J. Sup. Ct. App. Div. 2005); Austin v.
Crystaltech Web Hosting, 211 Ariz. 569, 573-74, 125 P.3d
389, 393-94 (Ariz. Ct. App. 2005); Barrett v. Fonorow,
343 Ill. App. 3d 1184, 1193-94, 279 Ill. Dec. 113, 121, 799
N.E.2d 916, 924 (Ill. Ct. App. 2003); Doe v. America
Online, Inc., 783 So.2d 1010, 1012-17 (Fla. 2001);
Schneider v. Amazon.com, Inc., 108 Wash. App. 454,
459-67, 31 P.3d 37, 39-43).
Kritisch äußerte sich aber z.B. der District Court for the
Nothern District of Illionois Eastern Division (Chicago
Lawyers' Committee For Civil Rights Under The Law, Inc. v.
Craigslist, Inc., Case No. 06 C 0657 (N.D. Ill., November
14, 2006)), der sich mit diskriminierenden Einträgen auf
einer Mietbörse beschäftigt hat. Eine grenzenlose Immunität
für Inhalte Dritter lasse sich dem CDA nicht entnehmen und
sei nach der Gesetzgebungsgeschichte auch nicht veranlasst.
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Eine Einschränkung ergäbe sich bereits bei der
redaktionellen Bearbeitung von Beiträgen. Nach dem
Wortlaut des CDA beschränkt sich die
Haftungsprivilegierung auf die Beiträge anderer
Provider (any information provided by another
information content provider). Wenn also gerade durch
die Veränderung die Rechtsverletzung eintritt, bestehe
sehr wohl eine eigene Haftung des ISP. Dies wurde so
allerdings von anderen Gerichten nicht in Zweifel
gezogen und war auch noch nie entscheidungsrelevant.
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Zum anderen wird aus der Tatsache, dass der Gesetzgeber
mit dem CDA auf das Urteil im Fall Oakment reagiert hat
und eine Haftung für den Fall verhindern wollte, dass
Inhalte Dritter kontrolliert werden, ein wenig
weitgehender Schluss gezogen, als es der
Zeran-Rechtsprechung zugrunde liegt. Aussagen des
Gesetzgebers dazu, ob eine Haftung gegeben sei, wenn
keine Kontrolle stattfindet, ließen sich nicht ablesen.
Der CDA wollte Maßnahmen der Provider anregen und die
Selbstinitiative stärken, aber nicht jegliche Haftung
auch des untätigen Plattformbetreibers ausschließen.
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In diesem Verfahren und auch in Doe v. GTE Corp.,
347 F.3d 655, at 659-60 haben die Gerichte eine weitere
andere Lesart der Vorschrift ins Spiel gebracht, sich
letztlich aber im konkreten Fall nicht festlegen müssen,
weil es darauf nicht mehr ankam. Danach würde § 230 CDA
es zwar ausschließen, einen Plattformbetreiber als "Publisher"
einer fremden Information haftbar zu machen, nicht
jedoch ihm in seiner Eigenschaft als Intermediär
Pflichten aufzuerlegen. Eine gesetzliche Vorschrift, die
einen ISP verpflichtet, Dritte vor Schäden durch
rechtswidrige Beiträge zu bewahren, konnte das Gericht
dann aber nicht ausmachen.
Fazit: Auch wenn durchaus an einzelnen
Begrifflichkeiten des § 230 CDA angesetzt werden könnte, um
eine allumfassende Privilegierung auszuschließen, dürfte
diese Mindermeinung kaum eine Chance haben, sich gegen die
eingefahrene Rechtsprechung durchzusetzen. Es wäre hier am
US-Gesetzgeber, ggf. korrigierend einzugreifen.
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