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5.4.2007 Urteil im Fall Kinderstart gegen Google
Richter Jeremy Fogel vom Bezirksgericht in San Jose hat die Klage von KinderStart gegen Google wegen angeblicher Benachteiligung durch das Google-interne Bewertungssystem PageRank zum zweiten Mal zurückgewiesen. Die Klage wurde zwar bereits im vergangenen Sommer größtenteils abgewiesen, doch der Richter gestattete es dem Kläger damals, seine Vorwürfe neu zu formulieren. Über das Verfahren und die einzelnen Vorwürfe habe ich hier bereits ausführlich berichtet, siehe den Artikel "Kinderstart v. Google". An dieser Stelle daher nur einige Anmerkungen zur erneuten Klageabweisung:

In der Rechtsprechung gab es bislang, soweit ersichtlich weltweit keine Äußerungen dazu, ob Google ein Monopolist ist. Das Bezirksgericht beschäftigte sich nun mit einer "Vorfrage". Es diskutierte den Marktbegriff in sachlicher Hinsicht und zwar hinsichtlich der Werbung im Internet. Google verdient sein Geld bekanntlich mit dem AdWords-Programm, das kontextbezogen Werbeeinblendungen vornimmt. Google hat hinsichtlich der Suche im Netz weltweit einen Marktanteil von ca. 60 %. Entsprechend hoch könnte auch der Anteil an kontextbezogener Werbung sein. Der Richter verneinte nun aber das Vorliegen eines Marktes für Werbung bei Suchmaschinen. Dieser Bereich sei nur Teil des größeren Marktes der Internetwerbung. Und auf diesem habe Google sicher keine marktbeherrschende Stellung: "However, there is no logical basis for distinguishing the Search Ad Market from the larger market for Internet advertising. Because a website may choose to advertise via search-based advertising or by posting advertisements independently of any search, search-based advertising is reasonably interchangeable with other forms of Internet advertising. The Search Ad Market thus is too narrow to constitute a relevant market."

Ob nicht-kontextbezogene und kontextbezogene Werbung aus Sicht der Werbenden so austauschbar sind, wie vom Gericht angenommen, erscheint mir jedoch zweifelhaft (“The product market includes the pool of goods or services that enjoy reasonable interchangeability of use and
cross-elasticity of demand.” Tanaka, 252 F.3d at 1063
). Suchmaschinen sind die Big Player im Internet und Werbung bei ihnen erreicht die größte Aufmerksamkeit und ist durch den Kontextbezug viel zielgerichteter als z.B. Bannerwerbung auf Webseiten.

Relativ rasch mit einer Bemerkung lehnte Richter Fogel auch einen Markt für die Aufnahme von Webseiten im Suchindex ab: "KinderStart cites no
authority indicating that antitrust law concerns itself with competition in the provision of free services."

Im Urteil angedeutet wird, dass der Richter eine Monopolstellung von Google für wahrscheinlich gehalten hätte, wenn es dem Kläger gelungen wäre, einen relevanten Markt i.S.d. Kartellrechts darzulegen: "Given these allegations, the Court concludes that, were KinderStart able to identify a relevant market for antitrust purposes, it might be able to allege a dangerous probability of achievement of monopoly power."

Schließlich lehnte das Gericht auch die Annahme ab, ein PageRank Wert dürfe nach mathematischen Berechnungen nicht den Wert 0 annehmen. Google weise klar auf verbotene Suchmaschinenoptimierungsmethoden hin und selbst Kinderstart bestreite nicht, dass diese Aussage von Google auch die Zuweisung eines PageRank Wertes von 0 für eine Website rechtfertigt: "Moreover, KinderStart itself alleges that Google represents that it
will remove a website from its index “if it didn’t conform with the quality standards necessary to assign accurate PageRank.” SAC ¶ 153. KinderStart does not seriously dispute that such a statement is equivalent to a statement that Google will assign a PageRank of zero if a website does not meet Google’s quality guidelines.
KinderStart’s argument that it is mathematically impossible to assign a PageRank of zero presumes that Google in some way has represented that PageRank is a purely objective measure. As discussed above, PageRank is a creature of Google’s invention and does not constitute an independently-discoverable value. In fact, Google might choose to assign PageRanks randomly, whether as whole numbers or with many decimal places, but this would not create “incorrect” PageRanks. The Court noted in the July 13th Order that the question of whether a reasonable person might consider PageRank a matter of opinion or a statement of fact might not be resolvable at the pleading stage.
"

KinderStart.com LLC v. Google, Inc., C 06-2057 JF (N.D. Cal. March 16, 2007): Opinion dismissing the lawsuit / Opinion granting sanctions

 

 

   

Google
 
Web www.linksandlaw.de

 

 

 

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