Das ursprüngliche deutsch-französische Suchmaschinenprojekt Quaero bzw. nach dem Ausstieg Deutschlands das Projekt Theseus habe ich hier schon öfters kritisch kommentiert (Google-Anfrage dazu). Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt die "strategische innovations- und technologiepolitische Bedeutung" des "Leuchtturmprojekts" Theseus unverändert als "hoch" ein und so dürfte auch in Zukunft dieses Unternehmen für weitere News-Meldungen herhalten. Heute und morgen möchte ich auf die politische Diskussion rund um das Projekt hinweisen, die vor allem durch zwei Kleine Anfragen der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen immer wieder entfacht wird.
Die erste Anfrage stammt vom 9.11.2006 und bezieht sich noch auf Quaero (BT-Drs. 16/3383). Interessant an der Antwort (BT-Drs. 16/3565) ist zum einen der Hinweis auf eine lockere Verbindung mit der Volltextsuche des Börsenvereins und die Auskunft über den "Zeitplan".
"Frage 5b) Ist das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierte Projekt „Volltextsuche online“, an dem viele deutsche Verlage beteiligt sind, in die Planung des Projektes Quaero eingebunden?
Im Rahmen der Arbeitsgruppe „Volltext Online“ gab es über die Verlagsgruppe G. v. Holtzbrinck eine enge Verknüpfung mit Quaero. Der Informationsaustausch wird auch in die Zukunft fortgeführt. Die Ausrichtung von Quaero vor allem auf semantische Suchtechnologien kann als konsequente wissenschaftliche und technologische Fortsetzung des Schwerpunktes „Volltextsuche“ im Projekt des Börsenvereins angesehen werden. Die Verlagsgruppe G. v. Holtzbrinck erwägt, in einer zweiten Phase die Zusammenarbeit mit dem Quaero-Projekt zu vertiefen."
"Frage 6. Besteht ein konkreter Zeitplan, der Auskunft darüber erteilt, wie und wann das Projekt Quaero in die Praxis umgesetzt wird? Zu welchem Zeitpunkt soll das Projekt für Bürgerinnen und Bürger nutzbar sein?
Bei Quaero handelt es sich um ein FuE-Vorhaben, für das ein konkreter Zeitplan für die nächsten 3 bis 5 Jahre aufgestellt ist. Dabei werden kurzfristig orientierte Teilvorhaben rascher FuE-Ergebnisse bringen, die dann in die Praxis umgesetzt werden können. Wichtige Konsortialvereinbarungen der Industrie befinden sich dabei noch im Verhandlungsstadium. Für bestimmte Teilvorhaben wird man bereits Anfang 2008 mit FuE-Ergebnissen rechnen können, die im Erfolgsfall dann seitens der Industrie in die Praxis umgesetzt werden. So werden im Rahmen des Teilvorhabens („Use Cases“) Alexandria dem Internetnutzer auf einer Plattform Möglichkeiten zur Informationsveröffentlichung und -veredelung geboten, die weit über die heute gängigen Methoden hinausgehen."
Mit anderen Worten: Ist das "politisch" für "Es kommt, wenn es fertig ist"? Am besten rechnet man nicht zu schnell mit konkreten Ergebnissen!
Am 27.2.2007 hat die Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen eine zweite Kleine Anfrage zum Suchmaschinenprojekt Theseus - ehemals Quaero gestartet (BT-Drs. 16/4472). Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom 13.3.2007 übermittelt (BT-Drs. 16/4671). Dabei ging es um viele haushaltsrechtliche Fragen und um das Absehen einer Ausschreibung beim Start des Projekts. Bei Interesse einfach in der Drucksache nachlesen. Inhaltlich wird noch einmal bestätigt, dass sich das Projekt entgegen Darstellungen in der Presse nicht als Konkurrent zu gängigen Suchmaschinen versteht.
"Frage 4. Welchen Stellenwert räumt die
Bundesregierung dem ursprünglichen Ziel des
Projektes, eine deutsch-französische Antwort auf
die globale Herausforderung von Google und Yahoo
zu geben, das der ehemalige Bundeskanzler
Gerhard Schröder und der französische
Staatspräsidenten Jacques Chirac laut
Presseberichten verfolgten, heute ein?
Die in der Presse verbreitete Darstellung, dass mit QUAERO ein alternativer „Google“ entwickelt werden soll, war von Beginn an nicht zutreffend. THESEUS ist keine Suchmaschine. Es zielt vielmehr auf eine neue internetbasierte Wissensinfrastruktur, bei der semantische Verfahren eingesetzt und in bestimmten viel versprechenden Anwendungsfeldern mit neu zu entwickelnden Plattformen erprobt werden."
