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11.4.2009 USA: Rechtsprechung zu Keyword Advertising (Übersicht)

In den USA ist letzte Woche ein wichtiges Berufungsurteil zu AdWords-Verfahren und Markenrecht ergangen. Bevor ich darauf morgen näher eingehe, möchte ich heute noch einmal kurz die Ausgangssituation beleuchten.[1]

 

Als Anspruchsgrundlage nach US-amerikanischen Recht für ein Vorgehen gegen die Benutzung einer fremden Marke als Keyword  könnte der Lanham Act dienen[2] oder genauer 15 U.S.C. §§ 114, 1125. Fünf Tatbestandsvoraussetzungen müssen hierfür erfüllt sein: 

1.   Der Anspruchsteller muss Inhaber des Markenrechts sein.  

2.   Der Anspruchsgegner hat die Marke gebraucht.  

3.   Dies muss im geschäftlichen Verkehr erfolgt sein.  

4.   Die Marke muss im Zusammenhang mit einem Angebot zu einem Verkauf, dem Vertrieb oder der Werbung für Waren oder Dienstleistungen benutzt worden sein.  

5.   Die Benutzung muss die Wahrscheinlichkeit einer Verwechslung mit anderen Marken zur Folge haben. 

 

Die divergierende Rechtsprechung in den USA zu Keywords beruht auf einer unterschiedlichen Auslegung der Tatbestandsmerkmale des markenmäßigen Gebrauchs und der Verwechslungsgefahr. Der Second Circuit Court of Appeal hat 2005 eine Benutzung einer Marke im Zusammenhang mit Pop-Up-Werbeanzeigen verneint. Jedoch konnten Werbekunden in diesem Fall das Erscheinen ihrer Anzeige nur bei einer bestimmten Kategorie von Webseiten buchen, nicht bezogen auf eine spezielle Marke.[3] Trotzdem haben die District Courts im Second Circuit durchgängig diese Entscheidung zum Anlass genommen, bei Keywords eine markenmäßige Nutzung abzulehnen.[4] Gerichte außerhalb des Second Circuit hingegen gehen einheitlich von einem use im Sinne des Lanham Acts aus.[5] Aber das Urteil, auf das sie sich zumeist beziehen, hat ebenfalls einen Schwachpunkt. Zwar hat der Ninth Circuit im Fall Playboy Enter. Inc. v. Netscape Communications Corp.[6] eine Markenrechtsverletzung bei der Einblendung von Werbebannern angenommen, doch erfolgte im Urteil lediglich eine ausführliche Diskussion einer Verwechslungsgefahr und wurde die markenmäßige Benutzung nicht weiter angesprochen. Ob das Gericht darin kein Problem sah oder weil es die Frage schlicht übersehen hat, ist unklar. 

  

Die Gerichte, die einen use in commerce angenommen haben, hatten als nächstes eine Verwechslungsgefahr zu erörtern.  Dabei kristallisiert sich heraus, dass i.d.R. über die bloße Verwendung als Keyword hinausgehende Elemente erforderlich sind, um eine Rechtsverletzung zu bejahen. Diese können darin liegen, dass der geschützte Begriff im Text der Werbeanzeige erscheint[10] oder  die Website des Werbetreibenden eine Verbindung mit dem Markeninhaber vermuten lässt. Dies kann wegen der Übernahme von dessen Texten der Fall sein[11] oder wegen  sonstiger Bemerkungen, die den Betreiber der Website in dessen Nähe rücken.[12] 

 

[1] Siehe dazu auch Klein/Huffnagle, Intellectual Property & Technology Law Journal 12/2007, S. 1 ff.

[2] Ausführlicher zum Lanham Act vgl. Lensing-Kramer/ Ruess, WRP 2006, 815 ff.

[3] 1-800 Contacts Inc. v. WhenU.com, 414 F.3d 400 (2d Cir. 2005) (10 ECLR 678, 7/13/05). Die Urteile dieses Abschnitts sind verlinkt bei Ott, AdWords Lawsuits in the USA, http://www.linksandlaw.com/adwords-google-court-usa-greico.htm.

[4] S&L Vitamins Inc. v. Australian Gold Inc., 521 F. Supp. 2d 188 (E.D.N.Y. 2007); Fragrancenet.com Inc. v. Fragrancex.com Inc., 439 F. Supp. 2d 545 (E.D.N.Y. 2007) (12 ECLR 653, 7/18/07); Site Pro-1 Inc. v. Better Metal LLC, U.S. Dist. LEXIS 34107 (E.D.N.Y. May 9, 2007) (12 ECLR 459, 5/16/07); Merck & Co. v. Mediplan Health Consulting Inc., 431 F. Supp. 2d 425 (S.D.N.Y. 2006) (11 ECLR 375, 4/5/06); Rescuecom Corp. v. Google Inc., 456 F. Supp. 2d 393 (N.D.N.Y. 2006) (11 ECLR 992, 10/4/06).

[5] Government Employee Ins. Co. v. Google Inc., 330 F. Supp. 2d 700 (E.D. Va 2004) (9 ECLR 772 9/15/04); Google Inc. v. American Blind and Wallpaper Factory Inc., No. 03-05340 (N.D. Cal. March 30, 2005) (10 ECLR 361, 4/6/05); 800-JR Cigar Inc. v. GoTo.com Inc., D.N.J., Civil Action No. 00-3179, 7/17/06; Buying for the Home v. Humble Abode LLC, D.N.J., No. 03-2783, 10/20/06; (LLC, No. 03-CV-2783 (JAP) (D. N.J. Stipulation and Order of Settlement filed Feb. 16, 2006); Edina Realty Inc. v. MLSonline.com, Civ. 04-4371, 2006, WL 737064 (D. Minn. March 20, 2006); J.G. Wentworth v. Settlement Funding LLC, 2007 U.S. Dist. Lexis 288 (E.D. Pa. Jan. 4, 2007); Boston Duck Tours, LP v. Super Duck Tours, LLC, 2007 WL 4465464 (D. Mass. Dec. 5, 2007).

[6] 354 F. 3d 1020 (9th Cir. 2004) (9 ECLR 55 1/21/04).

[7] Government Employee Ins. Co. v. Google Inc., E.D. Va., No. 1:04cv507 (LMB/TCB), bench ruling 12/15/04, Google Inc. v. American Blind and Wallpaper Factory Inc., No. 03-05340 (N.D. Cal. March 30, 2005) (10 ECLR 361, 4/6/05), J.G. Wentworth v. Settlement Funding LLC, E.D. Pa., No 06-0597, 1/04/07.

[8] Civ. 04-4371, 2006, WL 737064 (D. Minn. March 20, 2006).

[9] Dazu Hamzik v. Zale Corporation / Delaware, No. 3:06-cv-1300, 2007 WL 11748643 (N.D.N.Y. April 19, 2007).

[10] Hamzik v. Zale Corporation / Delaware, No. 3:06-cv-1300, 2007 WL 11748643 (N.D.N.Y. April 19, 2007).

[11] 1-800 Contacts, Inc. v. LensWorld.com, Inc., 2:08-cv-00015-SA (D. Utah complaint filed Jan. 8, 2008).

12] Designer Skin, LLC v. S & L Vitamins, Inc., 2008 WL 2116646 (D. Ariz. May 20, 2008).

 


   

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