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30.9.2008
Journalismus ohne Journalisten - Als der Börsenkurs von United Airlines
einbrach... |
Die folgende Geschichte ist zwar bereits einige Tage alt,
zeigt aber gut, wohin es führen kann, wenn mehrerere
technische Mechanismen ineinander greifen: Vor sechs Jahren
hat United Airlines Insolvenz gemeldet und natürlich war
darüber in den Online-Medien berichtet worden, so auch von
dem hierzulande eher unbekannten Blatt Sun Sentinal. Dieser
Bericht ist in dessen Archiv nach wie vor vorhanden,
allerdings - und das war der erste Schritt zur Katastrophe -
nicht mit einem Datum versehen. Sonntag nacht um 1.00 Uhr
wurde dieser Artikel von einem Nutzer aufgerufen. Eine
Uhrzeit, zu der sich nicht besonders viele Besucher auf der
Website tummelten. Die Folge: Die Startseite des Sentinal
führte den Text plötzlich als einen der meist besuchtesten
Beiträge im Wirtschaftsteil auf. Und just dann kam ein
Crawler von Google News vorbei, folgte dem Link zu der
Nachricht und da kein Datum vorhanden war, versah Google
diese mit dem Datum 6.9.2008. Alles lief bis hierher völlig
automatisch ab. Die Story gelangte so in die Google News und
den ganzen Sonntag über wurde sie dort von Nutzern gelesen,
u.a. von einem Mitarbeiter eines Investmentdienstleisters,
der die Geschichte gleich in seinem Newsletter aufnahm.
Natürlich führte er keine weiteren Recherchen durch und
vertraute blind dieser einen Quelle. Dass United Airlines
seit 2006 wieder zahlungsfähig war, entging ihm so. Die
Nachricht aber stürzte die Börse ins Chaos. Der Kurs von
United Airlines brach um 75 % ein und die Aktie musste für
einige Stunden aus dem Handel genommen werden. Eine
Milliarde Dollar vernichtet durch einen Automatismus gepaart
mit schlechtem Journalismus!
Bleibt nur noch die Frage, ob das ganze ein juristisches
Nachspiel haben wird ...
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