Nehmen wir einmal an, Google würde in den
Gerichtsverfahren um die Google Buchsuche obsiegen, was
wären die Konsequenzen:
-
Google hätte seit Jahren rechtmäßig Millionen von
Büchern digitalisiert und sich damit einen nahezu
uneinholbaren Vorsprung vor möglichen
Konkurrenzprojekten gesichert.
-
Google könnte das Verfahren nur als Testballon für
noch weitergehende Verwertungen und Projekte
ansehen. Wenn das Scannen der Bücher von fair use
gedeckt ist, dann ist es evtl. auch erlaubt,
Musikdateien und Filme auf die Server von Google zu
speichern und durchsuchbar zu machen, solange
Nutzern nur Snippets von Songtexten oder kleine
Filmausschnitte als Suchergebnisse präsentiert
werden. Dies wäre dann ein weiterer Schritt dahin,
alles Wissen dieser Welt durchsuchbar zu machen.
Nehmen wir an, Google würde im Laufe des Verfahrens
feststellen, dass die Chancen, mit der Argumentation von
fair use zu
überzeugen, gering sind und sich mit der Gegenseite auf
die Zahlung von Lizenzgebühren einigt, was wäre dann die
Konsequenz: Google würde die Zahlung wirtschaftlich
nicht überragend belasten. Der Vorsprung gegenüber
möglichen Konkurrenzprojekten bliebe gewahrt. Und vor
allem: Bei einem Obsiegen könnten andere Unternehmen
ebenfalls ohne Zahlung von Lizenzgebühren in den Markt
einsteigen. Ein Gericht hat ja auf
fair use
entschieden. Bleibt diese Frage letztlich offen, würde
das Risiko eines Gerichtsverfahrens mit ggf. gewaltigen
Schadensersatzforderungen Neueinsteiger weiter eher
abschrecken. Da auch die Verlage grundsätzlich Interesse
daran haben, dass ihre Bücher in der Buchsuche
erscheinen, ist die Lösung mit einer Zahlung von
Lizenzgebühren nicht einmal ganz unwahrscheinlich.
Und wenn Google verliert? Dann dürfte das Verfahren sich
noch sehr lange über eine weitere Instanz hinziehen.
Schon in der ersten Instanz dürfte vor 2009 kein Urteil
ergehen. Ich schätze jetzt einfach mal grob, dass vor
2011/12 der Rechtsstreit nicht vorbei sein wird, wenn
die Parteien sich nicht einigen. Bis dahin schafft
Google weiter Tatsachen. Das Scannen der Bücher soll ca.
10 Jahre in Anspruch nehmen und wäre dann ca. 2015 mehr
oder weniger beendet. Bis zum Ende eines
Gerichtsprozesses wäre das Projekt fast schon in seiner
Endphase. Und sollte Google dann verlieren, besteht noch
immer die Hoffnung, so großen politischen Druck
auszuüben, dass die Buchsuche doch in der einen oder
anderen Gestalt Realität bleibt.
Daher meine Prognose: Google wird letztlich gewinnen, so
oder so. Offen ist lediglich der Preis, den das
Unternehmen dafür zu zahlen hat.