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Eine kurze Geschichte des Linking

8. Linking Cases – The Next Generation?

Seit Jahren beschäftigen die verschiedenen Erscheinungsformen des Linking Rechtsprechung und Lehre, ohne dass ein Ende der Diskussion absehbar wäre. Auch die technische Entwicklung ist seit den frühen Tagen des World Wide Web nicht stehen geblieben. Auf einige aktuelle Neuerungen, die dazu beitragen werden, dass Links nicht so schnell aus den Gerichtssälen verschwinden werden, soll zum Abschluss dieses Abschnitts eingegangen werden.

 

a) Annotea[1]

Annotea ist ein Projekt des W3C, das die Kommentierung fremder Webseiten möglich macht. Ein Surfer kann entweder zu einer bestimmten Textstelle oder zur ganzen Webseite eine Anmerkung verfassen. Die Anmerkungen werden auf speziellen Annotation-Servern gespeichert und können mit Hilfe spezieller Browser, die mit diesen Servern kommunizieren können, von jedem Nutzer abgerufen werden. W3C hat hierzu den Browser Amaya entwickelt. Eine Anmerkung wird in dem fremden Dokument durch einen Bleistift symbolisiert. Wird dieser angeklickt, öffnet sich ein weiteres Fenster mit den Anmerkungen.

Presseartikel könnten z.B. auf diesem Weg von Lesern diskutiert werden. Die sie veröffentlichende News-Redaktion hätte auf die Anmerkungen allerdings keinen Einfluss, da diese nicht auf ihrem eigenen Server abgelegt werden.

 

b) Smart Tags[2]

Smart Tags sind ein von Microsoft entwickeltes Feature, das es erlaubt, Webseiten oder generell Dokumente nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen, diese in einen Link zu verwandeln und mit einer violetten Linie zu kennzeichnen. Wenn ein Surfer den Link aktiviert, werden ihm in einem neu geöffneten Fenster bzw. einem Kontextmenü Informationen zu dem Schlagwort geboten, wobei insbesondere Links zu Webseiten, die sich mit dem entsprechenden Themenbereich beschäftigen, zu finden sind. Diese führen den Nutzer fast ausschließlich auf die Webseiten des Internet Portals von Microsoft. Eine Zustimmung zu den Smart Tags von dem Betreiber der jeweiligen Webseite ist nicht vorgesehen. Diese verlieren dadurch die Kontrolle darüber, welche Links auf ihren Webseiten enthalten sind. In extremen Fällen kann dies den Inhalt und die Aussage einer Webseite verändern.[3] Microsoft erlaubt es den Betreibern allerdings, mittels einer Opt-Out-Lösung Smart Tags auf ihren Webseiten zu verhindern. Letztlich handelt es sich hier wieder um das Problem, inwieweit von einem Webmaster verlangt werden kann, gegen von ihm missbilligte Möglichkeiten des Internets technische Maßnahmen zu ergreifen.

Nutzer können zudem Smart Tags im Browser abschalten. Ein von Microsoft angebotenes „Software Development Kit“ (SDK) erlaubt es ihnen ferner, eine Textfolge als Auslöser für Smart Tag Aktionen festzulegen. Ein Nutzer kann z.B. erreichen, dass sich beim Auftauchen eines bestimmten Begriffs auf einer anderen Webseite ein Kontextmenü öffnet. So könnte zu einem Städtenamen ein Menü angelegt werden, das Links zu Websites mit Informationen zu dieser Stadt und mit Routenplanern enthält.

Im Office XP und einer Beta Version des MS Internet Explorer 6 wurde die Smart-Tag-Technologie bereits eingesetzt. Sie war ursprünglich für Windows XP vorgesehen, aufgrund von heftiger Kritik gegen das Feature und der fehlenden Zeit, das noch nicht ausgereifte System bis zum Veröffentlichungstag am 25.10.2001 nachzubessern, wurden Smart Tags aber schließlich nicht integriert.

 

c) XML-Linking[4]

Nach fast vierjährigen Arbeiten wurde im Juni 2001 vom World Wide Web Consortium die XML-Linksprache in der Version 1.0 als Teil der Extensible Markup Language (XML), die HTML ablösen soll, verabschiedet. XLink ermöglicht einfache Verweise wie mit dem HTML-Element <a>, bietet aber zahlreiche weitergehende Gestaltungsmöglichkeiten. Ziel des Links können einerseits Dateien sein, andererseits Stellen in anderen Dateien. Es ist nicht mehr notwendig, wie bisher in HTML, dass die Zielstelle mit einer bestimmten Textmarke versehen wird. XLink bedient sich dazu der Sprachen XPath[5] (XML Path Language) und XPointer[6] (XML Pointer Language). Mit XPath können Teile eines Dokuments gesucht und angesprochen werden und es kann direkt nach Elementen, Elementinhalten, Attributen und Attributwerten gesucht werden. XPointer erweitert XPath und erlaubt es, auch Bereiche und Anfangs- und Endpunkte eines Bereichs anzusprechen. Die Möglichkeit, externe Ressourcen in ein eigenes Dokument einzugliedern (sog. Embedding), wird so beträchtlich erweitert.

Links können jetzt auch außerhalb der Ressourcen stehen, die sie verbinden sollen. Neben der „klassischen“ Form der sog. Outbound Links, bei denen der Arc[7] von einer lokalen zu einer entfernten Ressource zeigt, werden jetzt Inbound Links, bei denen der Arc von einer entfernten zu einer lokalen Ressource zeigt und Third-party-links, bei denen der Arc von einer entfernten zu einer anderen entfernten Ressource zeigt, erstellbar. Ermöglicht werden soll dies durch eine sog. Linkbase, ein Dokument, das alleine Links enthält und das getrennt von den verlinkten Dokumenten gespeichert ist. Dadurch könnte ein Link auf einem Dokument angebracht werden, auf das ansonsten nicht zugegriffen werden kann, etwa auf Websites anderer Personen. Es könnten voneinander unabhängige Webseiten zueinander in Bezug gesetzt werden, ohne dass die betreffenden Websitebetreiber dies billigen oder nur davon wissen. Die Homepage eines Konkurrenten ließe sich z.B. mit einem Link auf die eigene Webseite versehen. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die dazu erstellte Linkbase aktiviert wird. Dies wiederum kann in Zusammenhang mit einem Link erfolgen. Der Browser kann angewiesen werden, beim Betätigen eines Links nicht nur das verlinkte Dokument zu laden, sondern gleichzeitig die Linkbase, um die dort gespeicherten Links im Dokument anzuzeigen. Möglich ist es ferner, dass eine externe Linkbase als Browser-Feature gestaltet wird und immer aktiv ist. Wem es gelingt, die Ausgestaltung einer häufig verwendeten Linkbase entscheidend zu prägen, erlangt damit letztlich wieder Einfluss auf das Surfverhalten der Nutzer und kann dieses beeinflussen.[8] Nutzer werden zwar jederzeit von der Benutzung der Linkbase eines Anbieters zu der eines anderen übergehen können, doch dürfte dies, wenn sich die Nutzer erst einmal an eine bestimmte Linkbase gewöhnt haben, ohne besonderen Anlass nicht erfolgen.[9] Da die auf einer Webseite angezeigten Links z.T. nicht mehr auf der HTML-Programmierung des Betreibers beruhen, sondern auf der Verwendung einer externen Linkbase durch den Besucher, ist es dem Betreiber oft gar nicht möglich, festzustellen, welche Links auf seiner Webseite angezeigt werden. Wollte er dies wissen, müsste er sämtliche Anbieter einer Linkbase überprüfen. Aufgrund der Steuerungsmöglichkeit von Nutzern dürften dies in Zukunft unübersehbar viele werden.

XLink wird bisher von den Browsern noch nicht vollständig unterstützt.

 

d) Tote Hyperlinks

Sofern ein Surfer einen Link aktiviert, der zu einer mittlerweile gelöschten oder nie existierenden Webseite führt oder die Adresse einer solchen Webseite selbst in den Browser eingibt, wird er mit der Fehlermeldung 404 „page not found“ konfrontiert. 14 Millionen mal soll dies täglich vorkommen. Eine gewaltige Zahl von Surfern, die in den Augen einiger kreativer Köpfe nur darauf wartet, auf andere Webseiten geleitet zu werden.[10] Seit September 2001 hat Microsoft dieses Potential erkannt. Viele Surfer, so die Überlegung, werden nach einem vergeblichen Versuch, eine Webseite aufzurufen, auf eine Suchmaschine zurückgreifen. Statt der Fehlermeldung wird ein Surfer daher vom MS Internet Explorer direkt zu der Suchmaschine von Microsoft (MSN) geschickt. Die Funktion kann allerdings deaktiviert werden.

Kritiker an Microsoft sehen in dem Verhalten wieder den Versuch des Softwaregiganten, sein Monopol auszudehnen. Für andere Suchmaschinenbetreiber stellt dies eine große Herausforderung dar, weil ihnen durch das Verhalten von Microsoft Kunden entzogen werden. Yahoo reagierte darauf mit einem Softwareprogramm, das die Einstellungen des MS Internet Explorers so umkonfiguriert, dass ein Surfer nicht mehr zu MSN, sondern zu Yahoo geschickt wird.

 

e) Zusammenfassung

Die neuen technischen Möglichkeiten bieten nicht nur Webdesignern neue Gestaltungsmöglichkeiten, sondern werden auch wieder Juristen beschäftigen. Der Trend hin zu einer noch engeren Verknüpfung der Internetseiten durch das Hinzufügen von Links auf den Webseiten anderer Personen zeichnet sich bereits ab. Die Technologie ist vorhanden und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie in der Praxis vermehrt eingesetzt werden wird. Missbrauchsmöglichkeiten sind vorhanden und es wird geklärt werden müssen, inwieweit es sich ein Websitebetreiber gefallen lassen muss, dass Dritte Links oder Kommentare auf seinen Webseiten anbringen.

ENDE 

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[1]      Informationen hierzu unter <http://www.w3.org/2001/Annotea/>. 

[2]      Siehe ausführlicher hierzu auch Ulbricht/Meuss, CR 2002, 162 ff.

[3]      Vgl. Ulbricht/Meuss, CR 2002, 162, 163.

[4]      Vgl. <http://www.w3.org/1999/xlink>; Ulbricht/Meuss, CR 2002, 162 ff.

[5]      Vgl. <http://www.w3.org/TR/xpath>. 

[6]      Vgl. <http://www.w3.org/XML/Linking>. 

[7]      Als Arc wird der Pfad bezeichnet, auf dem man einem Link folgen kann.

[8]      Problematisch kann dies auch hinsichtlich des Trennungsgebots des § 13 II MDStV werden. Vgl. Ulbricht/Meuss, CR 2002, 162, 168.

[9]      Vgl. Ulbricht/Meuss, CR 2002, 162, 163.

[10]    Trittbrettfahrer reservieren sich z.B. sog. Vertipper-Domains, bei denen sie Tippfehler der User ausnutzen wollen, um sie abzufangen und mit Werbung Geld zu verdienen. So z.B. früher die Website jahoo.de, die mittlerweile in der Hand von Yahoo ist und zum Bundestagswahlkampf 2002 die Domain stiober.de.

 


Geschichte des Linking

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