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Eine
kurze Geschichte des Linking
8.
Linking Cases – The Next Generation?
Seit
Jahren beschäftigen die verschiedenen Erscheinungsformen des Linking
Rechtsprechung und Lehre, ohne dass ein Ende der Diskussion absehbar wäre. Auch
die technische Entwicklung ist seit den frühen Tagen des World Wide Web nicht
stehen geblieben. Auf einige aktuelle Neuerungen, die dazu beitragen werden,
dass Links nicht so schnell aus den Gerichtssälen verschwinden werden, soll zum
Abschluss dieses Abschnitts eingegangen werden.
a)
Annotea
Annotea
ist ein Projekt des W3C, das die Kommentierung fremder Webseiten möglich macht.
Ein Surfer kann entweder zu einer bestimmten Textstelle oder zur ganzen Webseite
eine Anmerkung verfassen. Die Anmerkungen werden auf speziellen
Annotation-Servern gespeichert und können mit Hilfe spezieller Browser, die mit
diesen Servern kommunizieren können, von jedem Nutzer abgerufen werden. W3C hat
hierzu den Browser Amaya entwickelt. Eine Anmerkung wird in dem fremden Dokument
durch einen Bleistift symbolisiert. Wird dieser angeklickt, öffnet sich ein
weiteres Fenster mit den Anmerkungen.
Presseartikel
könnten z.B. auf diesem Weg von Lesern diskutiert werden. Die sie veröffentlichende
News-Redaktion hätte auf die Anmerkungen allerdings keinen Einfluss, da diese
nicht auf ihrem eigenen Server abgelegt werden.
Smart
Tags sind ein von Microsoft entwickeltes Feature, das es erlaubt, Webseiten oder
generell Dokumente nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen, diese in einen Link
zu verwandeln und mit einer violetten Linie zu kennzeichnen. Wenn ein Surfer den
Link aktiviert, werden ihm in einem neu geöffneten Fenster bzw. einem
Kontextmenü Informationen zu dem Schlagwort geboten, wobei insbesondere Links
zu Webseiten, die sich mit dem entsprechenden Themenbereich beschäftigen, zu
finden sind. Diese führen den Nutzer fast ausschließlich auf die Webseiten des
Internet Portals von Microsoft. Eine Zustimmung zu den Smart Tags von dem
Betreiber der jeweiligen Webseite ist nicht vorgesehen. Diese verlieren dadurch
die Kontrolle darüber, welche Links auf ihren Webseiten enthalten sind. In
extremen Fällen kann dies den Inhalt und die Aussage einer Webseite verändern.
Microsoft erlaubt es den Betreibern allerdings, mittels einer Opt-Out-Lösung
Smart Tags auf ihren Webseiten zu verhindern. Letztlich handelt es sich hier
wieder um das Problem, inwieweit von einem Webmaster verlangt werden kann, gegen
von ihm missbilligte Möglichkeiten des Internets technische Maßnahmen zu
ergreifen.
Nutzer
können zudem Smart Tags im Browser abschalten. Ein von Microsoft angebotenes
„Software Development Kit“ (SDK) erlaubt es ihnen ferner, eine Textfolge als
Auslöser für Smart Tag Aktionen festzulegen. Ein Nutzer kann z.B. erreichen,
dass sich beim Auftauchen eines bestimmten Begriffs auf einer anderen Webseite
ein Kontextmenü öffnet. So könnte zu einem Städtenamen ein Menü angelegt
werden, das Links zu Websites mit Informationen zu dieser Stadt und mit
Routenplanern enthält.
Im
Office XP und einer Beta Version des MS Internet Explorer 6 wurde die
Smart-Tag-Technologie bereits eingesetzt. Sie war ursprünglich für Windows XP
vorgesehen, aufgrund von heftiger Kritik gegen das Feature und der fehlenden
Zeit, das noch nicht ausgereifte System bis zum Veröffentlichungstag am
25.10.2001 nachzubessern, wurden Smart Tags aber schließlich nicht integriert.
Nach
fast vierjährigen Arbeiten wurde im Juni 2001 vom World Wide Web Consortium die
XML-Linksprache in der Version 1.0 als Teil der Extensible Markup Language (XML),
die HTML ablösen soll, verabschiedet. XLink ermöglicht einfache Verweise wie
mit dem HTML-Element <a>, bietet aber zahlreiche weitergehende
Gestaltungsmöglichkeiten. Ziel des Links können einerseits Dateien sein,
andererseits Stellen in anderen Dateien. Es ist nicht mehr notwendig, wie bisher
in HTML, dass die Zielstelle mit einer bestimmten Textmarke versehen wird. XLink
bedient sich dazu der Sprachen XPath
(XML Path Language) und XPointer
(XML Pointer Language). Mit XPath können Teile eines Dokuments gesucht und
angesprochen werden und es kann direkt nach Elementen, Elementinhalten,
Attributen und Attributwerten gesucht werden. XPointer erweitert XPath und
erlaubt es, auch Bereiche und Anfangs- und Endpunkte eines Bereichs
anzusprechen. Die Möglichkeit, externe Ressourcen in ein eigenes Dokument
einzugliedern (sog. Embedding), wird so beträchtlich erweitert.
Links
können jetzt auch außerhalb der Ressourcen stehen, die sie verbinden sollen.
Neben der „klassischen“ Form der sog. Outbound Links, bei denen der Arc
von einer lokalen zu einer entfernten Ressource zeigt, werden jetzt Inbound
Links, bei denen der Arc von einer entfernten zu einer lokalen Ressource zeigt
und Third-party-links, bei denen der Arc von einer entfernten zu einer anderen
entfernten Ressource zeigt, erstellbar. Ermöglicht werden soll dies durch eine
sog. Linkbase, ein Dokument, das alleine Links enthält und das getrennt von den
verlinkten Dokumenten gespeichert ist. Dadurch könnte ein Link auf einem
Dokument angebracht werden, auf das ansonsten nicht zugegriffen werden kann,
etwa auf Websites anderer Personen. Es könnten voneinander unabhängige
Webseiten zueinander in Bezug gesetzt werden, ohne dass die betreffenden
Websitebetreiber dies billigen oder nur davon wissen. Die Homepage eines
Konkurrenten ließe sich z.B. mit einem Link auf die eigene Webseite versehen.
Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die dazu erstellte Linkbase aktiviert
wird. Dies wiederum kann in Zusammenhang mit einem Link erfolgen. Der Browser
kann angewiesen werden, beim Betätigen eines Links nicht nur das verlinkte
Dokument zu laden, sondern gleichzeitig die Linkbase, um die dort gespeicherten
Links im Dokument anzuzeigen. Möglich ist es ferner, dass eine externe Linkbase
als Browser-Feature gestaltet wird und immer aktiv ist. Wem es gelingt, die
Ausgestaltung einer häufig verwendeten Linkbase entscheidend zu prägen,
erlangt damit letztlich wieder Einfluss auf das Surfverhalten der Nutzer und
kann dieses beeinflussen.
Nutzer werden zwar jederzeit von der Benutzung der Linkbase eines Anbieters zu
der eines anderen übergehen können, doch dürfte dies, wenn sich die Nutzer
erst einmal an eine bestimmte Linkbase gewöhnt haben, ohne besonderen Anlass
nicht erfolgen.
Da die auf einer Webseite angezeigten Links z.T. nicht mehr auf der
HTML-Programmierung des Betreibers beruhen, sondern auf der Verwendung einer
externen Linkbase durch den Besucher, ist es dem Betreiber oft gar nicht möglich,
festzustellen, welche Links auf seiner Webseite angezeigt werden. Wollte er dies
wissen, müsste er sämtliche Anbieter einer Linkbase überprüfen. Aufgrund der
Steuerungsmöglichkeit von Nutzern dürften dies in Zukunft unübersehbar viele
werden.
XLink
wird bisher von den Browsern noch nicht vollständig unterstützt.
Sofern
ein Surfer einen Link aktiviert, der zu einer mittlerweile gelöschten oder nie
existierenden Webseite führt oder die Adresse einer solchen Webseite selbst in
den Browser eingibt, wird er mit der Fehlermeldung 404 „page not found“
konfrontiert. 14 Millionen mal soll dies täglich vorkommen. Eine gewaltige Zahl
von Surfern, die in den Augen einiger kreativer Köpfe nur darauf wartet, auf
andere Webseiten geleitet zu werden.
Seit September 2001 hat Microsoft dieses Potential erkannt. Viele Surfer, so die
Überlegung, werden nach einem vergeblichen Versuch, eine Webseite aufzurufen,
auf eine Suchmaschine zurückgreifen. Statt der Fehlermeldung wird ein Surfer
daher vom MS Internet Explorer direkt zu der Suchmaschine von Microsoft (MSN)
geschickt. Die Funktion kann allerdings deaktiviert werden.
Kritiker
an Microsoft sehen in dem Verhalten wieder den Versuch des Softwaregiganten,
sein Monopol auszudehnen. Für andere Suchmaschinenbetreiber stellt dies eine
große Herausforderung dar, weil ihnen durch das Verhalten von Microsoft Kunden
entzogen werden. Yahoo reagierte darauf mit einem Softwareprogramm, das die
Einstellungen des MS Internet Explorers so umkonfiguriert, dass ein Surfer nicht
mehr zu MSN, sondern zu Yahoo geschickt wird.
e) Zusammenfassung
Die
neuen technischen Möglichkeiten bieten nicht nur Webdesignern neue Gestaltungsmöglichkeiten,
sondern werden auch wieder Juristen beschäftigen. Der Trend hin zu einer noch
engeren Verknüpfung der Internetseiten durch das Hinzufügen von Links auf den
Webseiten anderer Personen zeichnet sich bereits ab. Die Technologie ist
vorhanden und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie in der Praxis vermehrt
eingesetzt werden wird. Missbrauchsmöglichkeiten sind vorhanden und es wird
geklärt werden müssen, inwieweit es sich ein Websitebetreiber gefallen lassen
muss, dass Dritte Links oder Kommentare auf seinen Webseiten anbringen.
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