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Beiträge zum DMCA und zum CDA |
1. § 230 CDA
Die Rechtslage in den USA werden manche Internetanbieter als
paradiesisch bezeichnen. Diese hat aber auch ihre
Schattenseiten und läßt den Verletzten schnell im Regen
stehen. Ganz konkret will ich § 230 des Communication Decency Act (CDA)
vorstellen. Dieser sieht vor, dass kein
dass kein Provider oder
Benutzer eines interaktiven Computer-Angebots als Autor von
Informationen, die von einem anderen Informationsanbieter
stammen, behandelt werden darf. Faktisch bedeutet
dies, dass z.B. ein Forenbetreiber nicht für persönlichkeitsrechtsverletzende Beiträge Dritter in
Anspruch genommen werden kann und er auch nicht bei jedem
Hinweis auf eine Rechtsverletzung gehalten ist, aufwendig
darüber zu entscheiden, ob ein Löschanliegen tatsächlich und
rechtlich berechtigt ist.
Zu welchen Ergebnissen die Anwendung des § 230 CDA führen
kann, zeigt eindrucksvoll der Fall
Zeran (Kenneth M. Zeran v.
America Online, Inc. 958
F. Supp. 1124 (E.D. Va. March 21, 1997)(Ellis, J.) aff'd.
129 F. 3d 327 (4th Cir. Nov. 12, 1997), cert. denied, 524 US
937 (1998)). Auf einem Bulletin Board von AOL wurden
T-Shirts mit Texten angeboten, die den Anschlag von Oklahoma
auf ein Regierungsgebäude glorifizierten, bei dem 168
Menschen zu Tode gekommen waren. In der Anzeige wurde die
Telefonnummer von Zeran angegeben, der von alledem nichts
wusste. AOL entfernte die Nachricht zwar auf Aufforderung,
doch über einen längeren Zeitraum tauchte sie immer wieder
bis zur erneuten Entfernung auf. Todesdrohungen,
Fernsehberichterstattung, die die Angaben bei AOL für
zutreffend hielten und Polizeischutz waren die Folge. Nach
knapp einem Jahr ging die Zahl der täglichen Protestanrufe
bei Zeran auf ca. 15 zurück!! Eine Klage gegen AOL,
fahrlässig nichts gegen die Nachrichten im Bulletin Board
unternommen zu haben, insbesondere sie nicht schnell genug
entfernt und genügend gegen deren erneutes Auftauchen
unternommen zu haben, war nicht erfolgreich. § 230 CDA stehe
einen Inanspruchnahme von AOL entgegen.
Erfasste Rechtsbereiche
Ausgeschlossen
von der Privilegierung bleiben nur die nach § 230 e CDA
ausdrücklich genannten Bereiche, u.a das Urheberrecht . Ein
Forenbetreiber könnte also weiterhin einer Haftung für
urheberrechtsverletzende Beiträge ausgesetzt sein. Von
mehreren Gerichten wurde der weite Anwendungsbereich des CDA
bestätigt und festgestellt, dass sich die Privilegierung
nicht nur auf Verleumdungen (defamation)
bezieht, sondern umfassend zu verstehen ist.
§ 230 CDA wurde
angewandt auf Verstöße gegen den Maryland Commercial
Electronic Mail Act
(Beyond Sys. v. Keynetics, Inc.,
422 F. Supp.2d 523, 536 (D. Md. 2006)), Zivilklagen wegen
Verstößen gegen Strafgesetze (Doe v. Bates,
5:05-CV-91-DF-CMC, 2006 WL 3813758 (e.D. Tex., Dec. 27,
2006)), Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs (Perfect 10,
Inc. v. CCBill LLC, No. 04-57143, 2007 WL 925727 (9th Cir.,
March 29, 2007)), das Florida securities law and
cyber-stalking law (Universal
Commun. Sys.,
478 F.3d at
421), Title II of the Civil Rights Act of 1964 (Noah
v. AOL Time Warner, Inc., 261 F. Supp.2d 532, 538
(E.D. Va. 2003)) und evtl. sogar auf Ansprüche wegen
Vertragsbruchs (Jane
Doe One v. Oliver,
755 A.2d 1000, 1002, 1004 (Conn. Sup. Ct. 2000);
Schneider v.
Amazon.com, Inc.,
108 Wash. App. 454, 464 (Wash. Ct. App. 2001; a.A. Langdon
v. Google Inc., 474 F. Supp. 2d 622, 631 ff. (D. Del. 2007);
800-JR Cigar, Inc. v. GOTO.com, Inc., 437 F. Supp. 2d 273,
295 (D.N.J. 2006));
Green v. America
Online, Inc.,
318 F.3d 465, 471 (3d Cir. 2002)). Aussichtslos sind sowohl
Schadensersatzklagen als auch Anträge auf Erlaß
einstweiliger Verfügungen ((Ben Ezra, Weinstein, and Comapny,
Inc., v. America Online, 206 F. 3d 980, 983-986 (10th Cir.
2000); Smith v. Intercosmos Media Group, Inc., No. Civ.A.
02-1964, 2002 WL 31844907 (E.D.La., Dec. 17, 2002); a.A.
nicht alle einstweiligen Verfügungen ausgeschlossen
Mainstream Loudoun v. Board of the Loudoun County Library,
2. F.Supp. 2d 783, 790 (E.D. Va., 1998)).
Änderung der Beiträge Dritter
Forenbetreiber können in den USA also für
Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch fremde Beiträge
nicht verantwortlich gemacht werden. Doch wie weit
reicht der Schutz des CDA, wenn die Betreiber nicht nur eine
Plattform zur Verfügung stellen, sondern Beiträge auch
redaktionell bearbeiten oder sonstige Vorgaben zu Inhalten
machen?
Im Verfahren John Doe v. SexSearch.com, Case No. 3:07 CV 604
(N.D. Ohio, August 22, 2007), ging es um die Dating-Plattform sexsearch.com, auf der der Kläger das
Profil einer 18-Jährigen fand und sich mit ihr zum Sex
verabredete. Kurze Zeit später wurde er verhaftet, da sie in
Wirklichkeit erst 14 Jahre alt war. Er verklagte sexsearch.com. Im Mittelpunkt stand dabei das Profil der
14-Jährigen. Sexsearch.com fragt bei der Registrierung das
Alter ab und gestattet nur über 18-jährigen den Zugang.
Zudem behält sich der Betreiber vor, Profile, die gegen die
Nutzungsbedingungen verstoßen, zu ändern. Im
streitgegenständlichen Profil waren keine Änderungen
vorgenommen worden, weswegen dieser nicht "Publisher"
i.S.d. § 230 CDA sein konnte. Alleine die Möglichkeit bzw.
der Vorbehalt Beiträge oder Profile zu ändern, nimmt dem
Plattformbetreiber nicht die Privilegierung des § 230 CDA.
Was aber, wenn er wirklich Beiträge redaktionell überprüft?
Der Schutz des § 230 CDA endet nach
Anthony DiMeo, III v. Tucker Max selbst dann nicht,
wenn der Betreiber eines Forums Beiträge auswählt,
verändert oder entfernt ( Anthony
DiMeo, III v. Tucker Max,
Civil Action No. 06-1544, (E. D. Pa., May 26, 2006);
siehe ferner
Donato v. Moldow, 865 A.2d 711 (N.J. Super. App. Div. 2005);
Doe v. MySpace Inc., 474 F.Supp. 2d 843 (W.D. Tex., 2007);
auch die Verifizierung von Daten eines Beitrags stellt eine
typische redaktionelle Tätigkeit dar und nimmt nicht den
Schutz des § 230 CDA, vgl. Prickett v. InfoUSA, Inc.
No.4:05-CV-10, 2006 WL 887431 (E.D. Tex., March 30, 2006)).
Dieses Ergebnis ist durchaus schlüssig, wenn man die
Gesetzeshistorie betrachtet. In Stratton Oakmont, Inc. v.
Prodigy Servs. Co., 1995, WL 323710, at *3-4 (N.Y. Sup. Ct.
May 24, 1995), hat der New York Supreme Court einen Service
Provider für haftbar gehalten, gerade weil er die
Nachrichten seines "schwarzen Brettes" beobachtete und
editierte. Diese Tätigkeit ließe ihn zum "publisher"
werden und führe zu seiner Verantwortlichkeit für die
Beiträge. Der Gesetzgeber wollte ausweislich der Materialien
(H.R. Rep. No. 104-458, at 194 (1996); S. Rep. No. 104-230,
at 194) gerade dieses Ergebnis vermeiden und einen Anreiz
schaffen, dass die Betreiber Kontrollen durchführen können,
ohne sich dadurch der Gefahr einer Haftung auszusetzen. Um
das Tatbestandsmerkmal "development of information" zu
erfüllen, brauche es mehr als bloß der Auswahl oder
redaktionellen Bearbeitung von Beiträgen.
Ab einem gewissen Punkt könnte aber einem Beitrag so
viel eigener Inhalt hinzugefügt worden sein, dass
letztlich eine Grenze überschritten wird und der
Betreiber aus der Haftungsprivilegierung herausfällt.
Gleiches wird zu gelten haben, wenn Geld für das
Einstellen von Informationen gezahlt wird, von denen
der Betreiber weiß, dass sie rechtswidrig gewonnen
wurden (vgl. FTC v. Accusearch Inc., d/b/a Abika.com,
No 06-CV-105-D, 2007 U.S. Dist. LEXIS 74905 (D. Wyo.
Sept., 2007)). Alleine das Bezahlen eines Entgeltes
für einen Beitrag dürfte aber noch nicht schädlich
sein (siehe Blumenthal v. Drudge, 992 F.Supp. 44 (D.D.C.
1998))
Aus Batzel v. Smith (333 F.3d 1018 (9thCir. 2003)) läßt
sich herauslesen, dass das Posten von Material
Dritter, das erkennbar nicht für die
Veröffentlichung im Internet bestimmt ist, nicht der
Haftungsprivilegierung unterfällt. Wird dieses
zugänglich gemacht, kann eine Haftung bestehen,
obwohl der Beitrag von einem Dritter herrührt ("If
Cremers should have reasonably concluded, for
example, that because Smith's e-mail arrived via a
different e-mail address it was not provided to him
for possible posting on the listserv, then Cremers
cannot take advantage of the § 230(c) immunities.
Under that circumstance, the posted information was
not 'provided' by another 'information content
provider' within the meaning of § 230.")
Was ist schließlich , wenn der Plattformbetreiber Vorgaben macht, so dass die
User praktisch nicht mehr umhin kommen, rechtsverletzende
Angaben zu machen?
Der Schutz des CDA endet nach Fair Housing
Council of San Fernando Valley, et al. v. Roommates.com LLC
dort, wo der Betreiber einer Plattform die Rechtsverletzung
der User quasi schon vorgibt. Über die Seite roommates.com
konnten WG-Partner gefunden werden. Bei der Registrierung
mussten dabei zwingend Angaben gemacht werden zur eigenen
sexuellen Orientierung und welche der Mitbewohner haben
durfte. Ferner bestand die Möglichkeit, zusätzliche
Informationen über sich und seinen gewünschten Mitbewohner
zu machen. Dem Betreiber wurde Diskriminierung nach dem Fair
Housing Act vorgeworfen. Nach Ansicht des Gerichts (Fair
Housing Council of San Fernando Valley, et al. v.
Roommates.com LLC, CV-03-09386-PA (9th Cir., May 15, 2007))
kann sich der Betreiber nicht auf den Standpunkt
zurückziehen, die diskriminierenden Angaben würden nicht von
ihm, sondern von den Nutzern stammen und er sei deshalb von
einer Haftung ausgeschlossen. Nur hinsichtlich der weiteren
Angaben folgte das Gericht dieser Argumentation. Hier würden
die Nutzer völlig frei formulieren können (Ein Richter
schloss sich dieser Argumentation nicht an. Aus dem
Zusammenhang der Einstellung einer Anzeige ergäbe sich hier
bereits ein deutliches Hinwirken auf weitere Ausführungen zu
diskriminierenden Inhalten wie Alter, Geschlecht oder Rasse
des gewünschten Mitbewohners). Anders hinsichtlich der
Pflichtangaben. Sollten diese tatsächlich diskriminierend
sein (was erst noch zu klären war), so ging dies unmittelbar
auf den Betreiber der Plattform zurück., der eine
Teilnahme ohne Vornahme der Angaben nicht ermöglichte.
Die Mindermeinung
Eine weit überwiegende Mehrheit der Gerichte folgt der
weiten Auslegung, die im Fall Zeran vorgegeben wurde und
deren Umfang in den ersten beiden Beiträgen (1
& 2)
dargestellt wurde. (Green v. America
Online, 318 F.3d 465, 470-71 (3d
Cir. 2003); Batzel v. Smith, 333 F.3d 1018,
1031 n.18 (9th Cir. 2003); Carafano v. Metrosplash.com,
Inc., 339 F.3d 1119, 1122-25 (9th Cir. 2003); Ben
Ezra, Weinstein & Co. v. America Online, Inc., 206 F.3d
980, 984-85 (10th Cir. 2000); Blumenthal v. Drudge,
992 F. Supp. 44, 51-52 (D.D.C. 1998); Parker v. Google,
Inc., 422 F. Supp. 2d 492, 500-01 (E.D. Pa. 2006);
Dimeo v. Max, 433 F. Supp. 2d 523, 530-31 (E.D. Pa.
2006); Whitney Info. Network, Inc. v. Verio, Inc.,
No. 2:04CV462FTM29SPC, 2006 WL 66724, *2-3 (M.D. Fla. Jan.
11, 2006); Associated Bank-Corp. v. Earthlink, Inc.,
No. 05-C-0233-S, 2005 WL 2240952, **3-4 (W.D. Wis. Sept. 13,
2005); Morrison v. American Online, Inc., 153 F.
Supp. 2d 930, 932-34 (N.D. Ind. 2001); Barnes v. Yahoo!,
Inc., No. Civ. 05-926-AA, 2005 WL 3005602, **2-3 (D. Or.
Nov. 8, 2005); Landry-Bell v. Various, Inc., No.
Civ.A. 05-1526, 2005 WL 3640448, **1-3 (W.D. La. Dec. 27,
2005); Corbis Corp. v. Amazon.com, Inc., 351 F. Supp.
2d 1090, 1117-18 (W.D. Wash. 2004); MCW, Inc. v.
Badbusinessbureau.com, LLC, No. Civ.A.3:02-CV-2727-G,
2004 WL 833595, **7-8 (N.D. Tex. Apr. 19, 2004); Noah v.
AOL Time Warner, Inc., 261 F.Supp.2d 532, 537-38 (E.D.
Va. 2003); Smith v. Intercosmos Media Group, Inc.,
No. Civ.A. 02-1964, 2002 WL 31844907, **3-4 (E.D. La. Dec.
17, 2002); Patentwizard, Inc. v. Kinko’s, Inc., 163
F. Supp. 2d 1069, 1071 (D.S.D. 2001); Marczeski v. Law,
122 F. Supp. 2d 315, 327 (D. Conn. 2000); Donato v. Moldow, 374 N.J. Super. 475, 487-500, 865 A.2d 711,
718-27 (N.J. Sup. Ct. App. Div. 2005); Austin v.
Crystaltech Web Hosting, 211 Ariz. 569, 573-74, 125 P.3d
389, 393-94 (Ariz. Ct. App. 2005); Barrett v. Fonorow,
343 Ill. App. 3d 1184, 1193-94, 279 Ill. Dec. 113, 121, 799
N.E.2d 916, 924 (Ill. Ct. App. 2003); Doe v. America
Online, Inc., 783 So.2d 1010, 1012-17 (Fla. 2001);
Schneider v. Amazon.com, Inc., 108 Wash. App. 454,
459-67, 31 P.3d 37, 39-43).
Kritisch äußerte sich aber z.B. der District Court for the
Nothern District of Illionois Eastern Division (Chicago
Lawyers' Committee For Civil Rights Under The Law, Inc. v.
Craigslist, Inc., Case No. 06 C 0657 (N.D. Ill., November
14, 2006)), der sich mit diskriminierenden Einträgen auf
einer Mietbörse beschäftigt hat. Eine grenzenlose Immunität
für Inhalte Dritter lasse sich dem CDA nicht entnehmen und
sei nach der Gesetzgebungsgeschichte auch nicht veranlasst.
-
Eine Einschränkung ergäbe sich bereits bei der
redaktionellen Bearbeitung von Beiträgen. Nach dem
Wortlaut des CDA beschränkt sich die
Haftungsprivilegierung auf die Beiträge anderer
Provider (any information provided by another
information content provider). Wenn also gerade durch
die Veränderung die Rechtsverletzung eintritt, bestehe
sehr wohl eine eigene Haftung des ISP. Dies wurde so
allerdings von anderen Gerichten nicht in Zweifel
gezogen und war auch noch nie entscheidungsrelevant.
-
Zum anderen wird aus der Tatsache, dass der Gesetzgeber
mit dem CDA auf das Urteil im Fall Oakment reagiert hat
und eine Haftung für den Fall verhindern wollte, dass
Inhalte Dritter kontrolliert werden, ein wenig
weitgehender Schluss gezogen, als es der
Zeran-Rechtsprechung zugrunde liegt. Aussagen des
Gesetzgebers dazu, ob eine Haftung gegeben sei, wenn
keine Kontrolle stattfindet, ließen sich nicht ablesen.
Der CDA wollte Maßnahmen der Provider anregen und die
Selbstinitiative stärken, aber nicht jegliche Haftung
auch des untätigen Plattformbetreibers ausschließen.
-
In diesem Verfahren und auch in Doe v. GTE Corp.,
347 F.3d 655, at 659-60 haben die Gerichte eine weitere
andere Lesart der Vorschrift ins Spiel gebracht, sich
letztlich aber im konkreten Fall nicht festlegen müssen,
weil es darauf nicht mehr ankam. Danach würde § 230 CDA
es zwar ausschließen, einen Plattformbetreiber als "Publisher"
einer fremden Information haftbar zu machen, nicht
jedoch ihm in seiner Eigenschaft als Intermediär
Pflichten aufzuerlegen. Eine gesetzliche Vorschrift, die
einen ISP verpflichtet, Dritte vor Schäden durch
rechtswidrige Beiträge zu bewahren, konnte das Gericht
dann aber nicht ausmachen.
Fazit: Auch wenn durchaus an einzelnen
Begrifflichkeiten des § 230 CDA angesetzt werden könnte, um
eine allumfassende Privilegierung auszuschließen, dürfte
diese Mindermeinung kaum eine Chance haben, sich gegen die
eingefahrene Rechtsprechung durchzusetzen. Es wäre hier am
US-Gesetzgeber, ggf. korrigierend einzugreifen.
2. Notice and take down Verfahren
des DMCA - System und Missbrauchsmöglichkeiten
In den USA gibt es
für den Bereich des Urheberrechts schon seit
längerer Zeit ein sog. Notice and take down
Verfahren. Sehr grob vereinfacht bedeutet dies,
dass ein Provider dann nicht mehr einer Haftung
ausgesetzt ist, wenn er auf eine den
gesetzlichen Vorgaben entsprechende Mitteilung,
die u.a. den beanstandeten Inhalt genau
anzugeben hat, handelt und z.B. einen Beitrag
aus einem Forum oder eine Webseite aus dem
Suchindex entfernt. Der Provider hat in der
Regel den Schädiger von der "Beschwerde" zu
informieren, so dass dieser die Möglichkeit
erhält, der Entfernung zu widersprechen.
Erste Studien haben
schon 2005 gravierende Mängel dieses Systems
offenbart. Insbesondere wird dieses oft
missbraucht, um z.B. gezielt Konkurrenten zu
schädigen oder nicht gegebene Ansprüche faktisch
durchzusetzen. Vor kurzem wurde nun eine
Untersuchung, basierend auf der Befragung
von 25 Providern, zu dem Umgang mit den sog. "Takedown
Notices" veröffentlicht. Auf einige wenige
Punkte möchte ich im Folgenden hinweisen:
-
Wie auch nach
dem deutschen TMG unterscheidet der U.S.
amerikanische DMCA nach der Art des Angebots
und behandelt z.B. Access-, Host- und
Suchmaschinenanbieter unterschiedlich.
Dieses System wird in dem Bericht als zu
starr kritisiert. Nicht eigens geregelt ist u.a. der Tausch von illegalen Inhalten über
P2P-Netze. Die Musikindustrie ist hier dazu
übergegangen, Tausende, wenn nicht gar
Millionen von Takedown Notices an
Access-Provider zu richten. Diese werden in
automatisierten Prozessen erzeugt (insgesamt
sollen bis zu 95% aller Beschwerden maschinen-generiert sein!), allenfalls
oberflächlich vor deren Versendung geprüft
und sind oft fehlerbehaftet. Trotzdem führen
sie zumindest teilweise zu Erfolgen. Manche
Access-Provider reagieren auf diese
Schreiben mit der Sperrung des
Internetzugangs der Nutzer. Eine
unverhältnismäßige Überreaktion, da sie zu
einem derartigen Vorgehen überhaupt nicht
verpflichtet sind. Sie trifft keinerlei
Verantwortlichkeit für die
Tauschbörsennutzung ihrer Kunden und der DMCA verlangt von ihnen auch keinerlei
Maßnahmen. Die komplette Sperrung des
Internetzugangs steht auch im Widerspruch zu
Regelung für Host-Provider. Auch diese
können nicht einfach alle Inhalte eines
Nutzers vom Netz nehmen. Ihre Verpflichtung
bezieht sich nur auf die Löschung der
konkret beanstandeten Inhalte.
-
Angesichts der
Flut der "Takedown Notices" besteht die
bedenkliche Tendenz, dass diesen oft -
insbesondere von Universitäten und kleineren
Providern - übereifrig nachgekommen wird.
Das Vorliegen der Voraussetzungen des sog.
"fair use" wird oft nicht geprüft und
Inhalte vorschnell entfernt - auf Kosten der
Meinungsäußerungsfreiheit der User.
-
Aufgrund der
Regelung der 230 CDA sind Provider
weitgehend von einer Verantwortlichkeit für
fremde Inhalte freigestellt. Einige Bereiche
sind davon allerdings ausgenommen, so z.B.
das Urheberrecht. Verletzungen anderer
Rechtsgüter werden deshalb gerne als
"Urheberrechtsverletzungen hingestellt", um
doch Gebrauch vom notice-and-take-down-Verfahren zu machen.
Ein weiterer klarer Missbrauch des
Verfahrens.
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